4 Gedichte von Jolan Rieger
für die Weihnachtssendung 2004 im Sprachlabor
4 Gedichte
werden von mir für die Weihnachtssendung am Heiligabend 2004
für den Vortrag im Stadtradio Göttingen vorgeschlagen:
Über die Gefühlswelt der Einsamen
Wohlstandsfenster wie grinsende Masken
Wenn die Einsamkeit die Seele wie ein Sarg umschließt
Sind die Träume irdischer Seelen nur Spielzeug der Engel?
Bisher erschienene Bücher von Jolan Rieger
Wir Menschen sind noch ungenügend nackt, Jolan Rieger
Haag u. Herchen-Verlag, 1996 ISBN 3-86137-413-7
Stets auf der Suche nach Leben, Jolan Rieger
R.G. Fischer-Verlag, 1996, ISBN 3-89501-397-8, Paperback DM 29,80
Seelenrufe, Jolan Rieger
R.G. Fischer-Verlag, 1997, ISBN 3-89501-467-1, Paperback DM 29,80
Die Himmel der Frühlinge, Jolan Rieger
Mauer-Verlag W. Kriese, 1998, ISBN 3-931627-35-7
Die männermordende Frau, Jolan Rieger
Prototypen des neurotischen Verhaltens
Falldarstellungen aus der Praxis einer Diplom-Psychologin
Mauer-Verlag W. Kriese, 2003, ISBN 3-937008-41-X
Weitere Gedichte von Jolan Rieger:
www.jolanrieger.de
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Gedicht 1:
Titel: "Über die Gefühlswelt der Einsamen"
aus meinem Buch "Die Himmel der Frühlinge"
Thema: Einsamkeit und Verlorensein
Jolan Rieger
Über die Gefühlswelt der Einsamen
Einsam ist die Nacht
Einsam ist der Tag
Inmitten der erfüllten Träume der Nicht-Einsamen?
Zwischen ihnen stehend?
Allein von der Einsamkeit verfolgt?
Ganz auf sich selbst gestellt?
Wie in den Gefilden des Nordpols wandelnd?
Im ewigen Eis und Schnee?
In die ewige Kälte eingetaucht?
Seine lebendigen, warmen Glieder
Umklammern die Eisfesseln des Einsamen?
SOS-Rufe ertönen aus seinen Seelentiefen?
Umsonst?
Es kommt kein Echo?
Nur ein trauriges Tosen der Eismeere
Ist um sie herum?
Von schreienden weißen Möwen umkreist?
Am Himmel düstere Wolken
Dunkel und bedrohlich?
Auf dunklen kalten Meeren
Ist der Einsame der Kapitän
Sein Schiff fährt mit schwarzen Segeln
Ziellos gleitend, suchend, fordernd
Den Staub vergangener Leben einatmend?
Die Engel der Vergangenheit suchend
Sich fragend:
War es nur ein Traum
Das es sie gegeben hat?
Leben in des Traumes Bilder eingetaucht?
In der Vergangenheit Schönheit und Reinheit?
Bevor des Vergessens Wogen
Darüber hinwegrauschen?
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Gedicht 2:
Titel: "Wohlstandsfenster wie grinsende Masken"
aus meinem Buch "Seelenrufe"
Thema: Konsumschlacht, Weihnachtskritik
Jolan Rieger
Wohlstandsfenster wie grinsende Masken
Sonnen
Im ewigen Wachen
Phosphoreszierende Träume
Von Sonne, vom Licht gespeist
Hunger, Durst, Trauer
Im Widerschein der ewigen Strahlen der Sonne
Menschen hager, barfuß
Da kommt die Assoziation zu Diogenes und Franziskus:
Arm, heimatlos
Im Meer des Daseins
Noch klopft das sterbliche Herz im Lärm der Welt
Ob man langsam oder schnell seines Weges geht
Das Herz in Kerkers Qualen
Kleine Lichter von großen Lichtern überstrahlt
Dunkelheit
Leib, Leben, eingebettet in des Lebens Höllenkreise
In Platzregen, in Stürme
Wohlstandsfenster wie grinsende Masken
Hinter Mauern:
Lachen, Musik, Lichter, Vasen voller Blumen
Draußen Menschen am graubraunen Asphalt
Herabgewürdigt wie unscheinbare Kröten
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Gedicht 3:
Titel: "Wenn die Einsamkeit die Seele wie ein Sarg umschließt"
aus meinem Buch "Die Himmel der Frühlinge"
Thema: Einsamkeit und Verlorensein
Jolan Rieger
Wenn die Einsamkeit die Seele wie ein Sarg umschließt
Lautlos steht die Nacht über den Gräsern
Lautlos wandern die Gedanken
Gedanken, die man zwischen zwei Träumen denkt
Lautlos wehen die Sterne
Über der Bäume kahles Geäst
Die Welt versinkt in Finsternis
Nur ein Hauch von Helligkeit weht aus der Ferne
Regenstriche wehen gläsern, silbrig
Lichter schweben in der blauen Irrlichterdämmerung
Im Herzen die Fragen:
Wer ist man?
Wozu ist man da?
Wohin geht man?
Wieviele Tode sind uns nah?
Und die Sehnsucht
Nach dem trügerischen Trost einer Antwort
In Stunden
Wenn die Einsamkeit die Seele
Wie ein Sarg umschließt
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Gedicht 4:
Titel: "Sind die Träume irdischer Seelen nur Spielzeug der Engel?"
aus meinem Buch "Die Himmel der Frühlinge"
Thema: Diverses, Verschiedenes
Jolan Rieger
Sind die Träume irdischer Seelen nur Spielzeug der Engel?
So, wie die Wasserspiegel
Die Sonnenstrahlen wiegen
So wiegt mein Herz
Die Bilder der Vergangenheit
Nichts kann diese in Asche und Staub verwandeln
In ihnen vergeht kein Blatt verblühter Rosen
Kein Leuchten meiner Ideale verloren
Erinnerungen bestehen die Stürme
Sind kein Spielzeug der Gewitterwinde
Ihre stolzen Seelenflügel brechen nicht
Doch, wenn ich aus der Welt
Der Erinnerungen zurückkomme
Dann ist es, als ob ich
Aus einem tiefen Schlaf erwache
Als ob ich mich von der Erinnerung
Trauergedanken lösen will
Meine Seele brennt
Wie ein brennendes Schiff
Auf endlosem kalten Ozean
In ihr leben leidvolle Gedanken
Und verletzte Gefühle
Sie sind wie flüchtende Gespenster
Wenn die Verdrängung erwacht
Doch erst im vollständigen Erwachen
Versinken ihre Gestalten
Als gehörten sie nicht mehr zu mir
Dann sind sie kalt, dunkel, unbekannt
Und ich schaue in die Szenerie
Wie eine Fremde
In der Verdrängung
In dem Erlösungs- , im Losungswort der Seele
Wie viel Geschehenes
Möchte die Seele ungeschehen machen?
So lange der Stürme Flügel
Über mir rauschen
Strecke ich die Hände aus
Suche nach Armen
Die mich auffangen
Und wieder sucht die irdische Seele
Den himmlischen Traum
Ist dieser nur Spielzeug der Engel?
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Fröhliche und besinnliche Weihnachten!
Jolan Rieger
Homepage von Jolan Rieger:
www.jolanrieger.de